Kompetenzrahmen Vali50+

Der Vali50+ Kompetenzrahmen vereint in sechs Kompetenzkategorien 63 Einzelkompetenzen für den Umgang mit digitalen Geräten und Medien. Auf dieser Seite sind die Kompetenzkategorien skizziert und ausgewählte Kompetenzen beispielhaft erläutert.

Ausschnitt aus dem provisorischen Kompetenzrahmen Vali50+

Beispielkompetenz Auswahl Suchsysteme
«Kann verschiedene Suchsysteme unterscheiden, Suchsysteme gezielt auswählen, passende Parameter einstellen, logische Operatoren einsetzen und präzise Begriffe wählen.»

Für das Auffinden von Dateien, das Aufrufen von Systemfunktionen, das Durchforsten von Datenbeständen oder das Recherchieren im Internet gibt es unterschiedliche Suchsysteme. Zwar ist die klassische Recherche nicht in allen Berufsfeldern ein wichtiger Teil der Arbeit, dennoch ist bei der Bedienung von digitalen Geräten die Fähigkeit, effektive Sucheabfragen durchzuführen, eine wichtige Voraussetzung für die Arbeit. Dazu zählen beispielsweise: Einstellungsmöglichkeiten des Betriebssystems finden, grosse Tabellen mit der integrierten Programmsuche durchforsten, in der Dateienablage bestimmte Dokumente anzeigen lassen und nach Parametern wie Dateiformat oder Erstellungsdatum filtern sowie logische Operatoren wie AND oder NOT verwenden.

Beispielkompetenz Digitale Strukturen
«Kann Strukturen und Institutionen der digitalen Welt (Netzwerke, Internetzugang, Cloud-Speicher, Cloud-Dienste etc.) verstehen, integrieren und für die erfolgreiche Bewältigung von Arbeitsprozessen nutzen.»

Arbeiten in einer digitalisierten Welt bedeutet, sich mit den Strukturen und Institutionen dieser Welt auszukennen und sie effektiv nutzen zu können. Beispielsweise werden in vielen Berufen Daten von Produkten oder Leistungen erfasst und abgelegt. Dabei ist es relevant, dass die bearbeitende Person versteht, ob sie diese Daten lokal auf dem Gerät oder auf einem Server (Cloud-Service) ablegt. So kann bspw. das Löschen in der Cloud zum Verlust der Daten führen, was weitreichende Konsequenzen haben kann. Oder das Teilen von sensiblen Kundendaten in einem ungeschützten Netzwerk kann zu Datenschutzproblemen führen.

Beispielkompetenz Digitale Identität
«Kann die Bedeutung/Wirkung der eigenen digitalen Identität erkennen, diese bewusst gestalten und deren Reputation entsprechend schützen.»

Wer über digitale Systeme kommuniziert, generiert damit automatisch eine digitale Identität. Am sichtbarsten sind diese Identitäten auf sozialen Netzwerken, für die man ein Benutzerkonto anlegen muss. Je nach Berufsgruppe ist es heutzutage unumgänglich, auf gewissen Plattformen präsent zu sein und gezielt seine digitale Identität zu reflektieren, zu pflegen und zu schützen. Berufstätige achten dabei auf geschäftsfördernde Aussendarstellung und vermeiden rufschädigendes Verhalten.

Beispielkompetenz Automatisierung
«Kann Skripts / Programme für die Automatisierung von digitalen Verarbeitungsprozessen zur Effizienzsteigerung erstellen und nutzen.»

Diese Kompetenz ist sicherlich nicht in allen Berufsfeldern relevant. Für diejenigen, die oft Routinen an digitalen Geräten erledigen oder Prozesse für andere Mitarbeitende vereinheitlichen müssen, ist die Fähigkeit aber wichtig. Dazu zählen beispielsweise Datenexporte und -importe zwischen verschiedenen Applikationen. Ein anderes Beispiel ist die Stapelverarbeitung: Für verschiedene Dokumente gleichen Typs sollen Verarbeitungsschritte automatisiert werden (bspw. Dutzende von Bildern von Farbe in Schwarz/Weiss konvertieren).

Beispielkompetenz Arbeitssicherheit
«Kann für Arbeitsaufträge Vorgehensweisen auswählen, die die Sicherheit erhöhen (bspw. VPN, Virenschutz, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Public Key etc.)»

Wer mit sensiblen Daten zu tun hat, sollte entsprechende Schutzmöglichkeiten zu nutzen wissen. Dazu gehören beispielsweise der Einsatz von Virenschutzsoftware oder die Verwendung von verschlüsselten Kommunikationskanälen. Zwar werden viele Systeme in grösseren Organisationen von der IT-Abteilung geschützt. Dennoch können solche Schutzmassnahmen durch Mitarbeitende aus Unwissenheit umgangen werden zum Beispiel bei der Verwendung bestimmter Chat-Programme auf dem Smartphone – auch für geschäftliche Zwecke – deren Datenschutzpotenziale zweifelhaft sind.

Beispielkompetenz Umgang mit Unsicherheit
«Kann mit der Unsicherheit durch die stetige Veränderung digitaler Technologie und der Intransparenz digitaler Prozesse produktiv umgehen.»

Auch wenn Routinen im Umgang mit digitalen Systemen etabliert sind, so müssen sich alle Berufstätigen darauf einstellen, dass Veränderungen in den Systemen auftreten. Das bedeutet auch, dass es fast nicht mehr möglich ist, in allen digitalen Arbeitsläufen ständige Expertise zu behaupten. Eher geht es darum, Expertise im Umgang mit der eigenen Unsicherheit zu entwickeln: Systemänderungen, Programmfehler, Dateninkonsistenzen zu erkennen und – auch durch Beizug von Hilfe von aussen – Wege zu finden, mit den auftretenden Problemen umzugehen. 

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